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Stadtmitte Ankh-Morpork

  • Hi Rogues!


    Nun ist es an der Zeit, ein weiteres riesiges meiner MOCs auseinander zu nehmen, ihr habt richtig gelesen, Ankh-Morpork ist durch. Es hat mir viel Spaß gemacht, das alles zu bauen und auszustellen und mit dem ein oder anderen heftig über die Scheibenwelt zu philosophieren!



    Die Scheibenwelt? Das ist der von Sir Terry Pratchett (RIP) erfundene, fantastische Geschichtenkosmos, der in dutzende Sprachen übersetzt wurde und dem Autor sogar einen Adelstitel eingebracht hat. Ich bin großer Fan der Bücher und wollte mich schon lange bautechnisch damit auseinandersetzen. Was aber ist jetzt die Scheibenwelt? Eine flache Welt voller Wunder, von deren Rändern sich die ozeanischen Wasserfälle in die Unendlichkeit ergießen, die auf dem Rücken von vier gigantischen Elefanten ruht, die ihrerseits auf dem Panzer von Groß-A'Tuin stehen, einer monströs-gigantischen Weltraumschildkröte auf dem Weg in die entlegensten Winkel des Universums. Klingt nach Quatsch? Die Wissenschaftler haben errechnet, dass die tatsächliche Existenz von etwas so Absurdem ungefähr so wahrscheinlich ist, wie im Lotto zu gewinnen und gleichzeitig vom Blitz getroffen zu werden... Aber es ist schöner Quatsch, um nicht zu sagen der absolute Grundstein der komischen Fantasy. Aber es ist noch viel mehr als das.

    Geschichtenkosmos ist dabei das richtige Wort, denn Sir Terry führt uns in seinen Büchern in fast jeden Winkel der Scheibenwelt, einer schöner und fantastischer als der andere, wie also sollte ich mich entscheiden, was ich baue? Nun, ich mag urbane, großflächige MOCs, also war schnell klar, ein Teil Ankh-Morporks muss es werden, die große Metropole der Scheibenwelt, ein Melting-Pot à la New York auf Speed mit dem Charme eines viktorianischen Londons (und dem Geruch) und der architektonischen Anmut einer zerfaserten Patchwork-Decke - denn hier finden die meisten Geschichten auf die ein oder andere Weise zusammen und damit war das für mich am interessantesten, zumal meine Lieblingsreihe - die Geschichten um die Stadtwache und ihren Kommandanten Samuel Mumm (engl. Samuel Vimes) - in diesem stinkenden Moloch der sich Stadt schimpft spielen.



    Ich habe die Bücher alle mehrfach gelesen und verfüge auch über Kartenmaterial, Bildbände und Ergänzungsliteratur, so sollte es also losgehen. Sobald mein vorheriges RiesenMOC auseinandergepflückt war (Star Wars Discordia - ein mandalorianischer Raumhafen), direkt im Anschluss an den Berliner Steinewahn 2021, begann ich mit dem ersten Modul. Ich habe das von Anfang an ziemlich genau geplant, damit ein Aufbau auf einer Ausstellung möglichst schnell und reibungslos abgeht, aber da sind wir noch nicht. Viel mehr als das erste Modul habe ich vor April 2022 nicht geschafft, da ich mit meinem Umzug nach Leipzig beschäftigt war, aber sobald das geschafft war, ging es Schlag auf Schlag los und in meiner neuen Leipziger Wohnung entstand ein Modul nach dem anderen.

    Klar war mir von Anfang an, dass ich die Stadtmitte, die Insel der Götter als zentrales Element haben wollte, also musste auch der Fluss Ankh (wenn man die Drecksbrühe einen Fluss nennen kann) mit eingeplant werden. Eingeplant war auch, dass ich bis zum nächsten Steinewahn in Berlin fertig sein wollte, um es dort erstmalig auszustellen, also knappe fünf Monate Zeit, knappe 2x2 Meter zu rocken... Möglich war das nur, weil ich zwar mit dem Umzug nach Leipzig auch den Job gewechselt habe (Kleinkindpädagogik zu Einzelhandel), meiner Arbeitszeit von 30 Wochenstunden aber treu geblieben bin, weshalb ich meistens 2 Werktage frei habe und damit Zeit zum Bauen.



    Schön, wen ihr bis hier mitgelesen habt, aber jetzt wird es wahrscheinlich interessanter, denn was habe ich also gebaut?

    Wir haben in Leipzig ein Hobbyzimmer, in dem ich während dem Bauzeitraum über eine riesige Arbeitsplatte verfügen konnte, daher stand das gesamte Modell im Prozess aufgebaut herum und ich konnte nach und nach alles passend machen. Das erste Modul, welches noch in Berlin entstanden ist, hatte den Umzug gut überstanden und zeigt mehrere nicht näher bezeichnete Wohn- und Geschäftsgebäude. Trotz keiner näheren Spezifizierung ist das mein Lieblingsmodul, da hatte ich noch Zeit für architektonische Feinheiten und verrückte Winkel. Es folgen die beiden Nächsten Module, die zusammengeschoben das Operngebäude ergeben. Anschließend kommt das vierte Modul, auf dem sich das Hauptquartier der Wache und der Pseudopolisplatz befinden. Die Insel der Götter war nun fertig gestellt, es muss Mai gewesen sein. Meine Freundin und ich hatten durch den Orts- und Jobwechsel auch kaum Urlaub, weshalb Ankh-Morpork munter weiter wuchs.



    Die Module stehen zumeist auf mehreren 32x32er Baseplates, die als Grundschicht mit zwei Lagen Plates so hoch sind wie ein liegender Brick. Das musste so sein, da ich das Wasser des Flusses aus liegender Wand bauen wollte und es zieht sich durchs gesamte Modell. An den Kanten der Module werden die Kabel für die Beleuchtung aus dem Modul in die Randmodule geführt und im Wasser durch liegende Panels verdeckt. Nun war es also an der Zeit, das Wasser zu bauen. Dazu habe ich tonnenweise relativ günstige 1x2 und 1x1 gebrauchte blaue Bricks und Plates bestellt. Der unterschiedliche Vergilbungsgrad der Steine kam mir sehr gelegen. Ab und zu habe ich noch andere Farben eingebaut, um das Wasser noch dreckiger darzustellen. Sobald die ersten Wasserflächen fertig waren, ging es rechts und links daran, die Randmodule zu bauen. Eigentlich wollte ich die Insel ringsum mit Randmodulen versehen, dazu hat aber die Zeit nicht gereicht und irgendwann sind mir die Steine in den erforderlichen Mengen ausgegangen und Krösus bin ich ja auch nicht (30 Wochenstunden im Einzelhandel^^).



    Es ging also weiter mit Modul 5, wo die Kneipe "die geflickte Trommel" und das Gildenhaus der Näherinnengilde zu finden ist. Die Näherinnen nähen äußerst selten, vielmehr ist das ein allgemein verwendeter Kosename, gehen jene Frauen doch einem anderen, sehr altem Gewerbe nach.

    Die nächste Station ist Modul 6, anschließend an die Näherinnengilde kommt ein nicht näher bennantes Gebäude und nebenan die Gärten der Zaubererschule "Unsichtbare Universität".

    Alle Module sind ziemlich hoch (8-10 Bricks), damit der Flusslauf glaubhaft tief unter den Straßen liegt, aber auch damit meine Hand noch unten reinpasst, um Kabel zu verlegen oder Batterien für die Beleuchtung zu wechseln (beim nächsten Großprojekt stelle ich auf Steckdose um). An den Kanten der Baseplates verläuft alles vorerst komplett rechtwinklig, aber die Ränder sind durchgesnottet, um dann über die Baseplates hinaus seitlich weiter zu bauen, um dem ganzen mehr Winkel und Rundungen zu geben.

    Für diese Seite war es das erstmal, um mehr Überblick zu bekommen und mir über Steinquantität und Farbwahl sowie Gesamtlayout klarer zu werden, habe ich auf der anderen Seite weitergebaut und komme damit zu Modul 7, das ein nicht näher bennantes Hafengebäude und das Gildenhaus der Assassinen beherbergt. Wieder war vorher das Wasser dran, an den Modulen habe ich immer eine Höhe liegender Stein unten freigelassen, damit das Wasser darunter passt. Überall wo man es nicht mehr sieht ist es auch nicht mehr blau, sondern wird von langen Technic-Bricks eingerahmt.

    Kurz darauf kam Modul 8 mit der Gilde der Narren und dem Tempel des blinden Io. Die Narrengilde und die Assassinengilde stehen Wand an Wand, weshalb ich eine kleine Szene aus einem der Bücher (Helle Barden) mit eingebaut habe, in der ein Assassine die Wand durchbricht, um ein Artefakt unbemerkt aus seiner Gilde zu schmuggeln und dabei einen Clown killt.


    Außerdem hab ich noch meinen Wolfsbandenturm aus der Jahreschallenge draufgepackt because why not^^

    Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Modell und hatte viel viel Spaß damit. Der einzige Punkt der Unzufriedenheit war die generelle Zeitnot, woraus hervorgeht, dass die Gebäude auf den ersten Modulen noch sehr viel komplexer und interessanter sind als auf den letzten, wo ich eher zum Stapeln tendierte, aber das ist bei den Ausmaßen glaube ich ok ;)

  • Es ist Sommer, das schöne Wetter wird natürlich auch mal genutzt, aber wann immer Zeit ist, bin ich an meinem Modell. Das bisherige Layout gefiel mir schon ganz gut, aber irgendwie fehlte was. Auch wenn die Steine langsam echt knapp wurden und die Lage in der Stadt nicht ganz hinhaut, wollte ich unbedingt noch einen weiteren Teil der Unsichtbaren Universität (nicht Hogwarts!) bauen, dessen riesiger Uhrenturm (aka Kunstturm) die Stadtsilhouette überragt. Also kam noch ein neuntes Modul dazu mit Teilen der Unsichtbaren Universität. Der August war gekommen und ich hab gebaut, gebaut, gebaut.

    Bis zum Tag vor dem Steinewahn habe ich noch die letzten Wasserflächen und Brücken gebaut, kleine Details ergänzt und dann alles fachmännisch in Kartons verpackt (vorher war ich eher der Typ Frischhaltefolie, das nächste Level wären endlich vernünftige Eurokisten). Leider kann man die Kartons nicht stapeln, da sie zu wabbelig sind, also musste ich für den Transport das größte Auto mieten das ich bekommen konnte (Was wieder für Eurokisten spricht...) und endlich konnte es losgehen nach Berlin. Und was soll ich sagen, es war ein Erfolg auf ganzer Linie, mein Modell hat so ziemlich alles gewonnen was es auf dem Steinewahn zu gewinnen gibt :D. Nur eine Woche später ging es nach Skaerbaek (was ich auch absolut genossen habe und weil viele Briten anwesend waren, habe ich auch super über Terry Pratchett abnerden können!). Dort hat Henry von der Klemmbausteinlyrik auch ein schönes Interview mit mir gemacht, schaut euch das gern auf Youtube an!


    Am nächsten Wochenende hatte ich bei der Modell+Hobby+Spiel in Leipzig mein neues Heimspiel und Ankh-Morpork wurde zum dritten Mal ausgestellt. Auch der Aufbau ging mittlerweile schneller aus 7 Stunden wurden sechs, jetzt nur noch fünf. Und ich hatte endlich meine positive Ausstellungserfahrung in Leipzig, das letzte Mal bin ich ja im Krankenhaus gelandet, aber das ist eine andere Geschichte... Anyway, drei Ausstellungen an drei aufeinander folgenden Wochenenden schlaucht ganz arg und ich war definitiv erkältet, aber nach drei Großveranstaltungen noch immer kein Corona! Ha! Das wär's ja noch, Modell aufbauen und dann von Covid geblockt, wie hätte das bitte funktionieren sollen??


    Glücklicherweise hatte ich jetzt auch mal Pause, Zeit für Brickscalibur, die Module lagern sicher verpackt im Keller. An sich nicht problematisch, ich dachte, das bisschen Beschädigung durch dreimal auf- und abbauen kann ich locker beim Aufbau kompensieren, da ahnte ich noch nicht, was kommt. Mittlerweile ist November, Zeit für BrickingBavaria und den nunmehr vierten Ausstellungswahnsinn^^ In Fürth angekommen habe ich gecheckt, dass ein gesammtes Gebäude beim Transport eingestürzt ist und es ließ sich auch kaum reparieren, da es von oben bis unten verkabelt ist und zudem so kompliziert, dass ein Wiederaufbau vor Ort unmöglich war. Glück im Unglück, es ist die Kneipe "Geflickte Trommel" die nunmehr wieder die "Zerbrochene Trommel" ist - Wie es in den Romanen auch hin und wieder geschieht. Zudem dachten die Besucher alle, das wär Absicht, also hab ich meine Wut geschluckt und damit gelebt. Und ohne weitere Worst Case Scenarios war auch BrickingBavaria geschafft, wo ich verständlicherweise gedanklich mehr im Wilden Frostigen Westen Kanadas war als in Ankh-Morpork ^^

    Im Januar bin ich dann nochmal zur Ausstellung gefahren, diesmal die Brickbits in Cremlingen bei Braunschweig. Noch ein letztes Mal Lob und Kritik abgeholt und dann endlich keine Vorsicht mehr beim Abbau, denn dies sollte die letzte von fünf Ausstellungen für Ankh-Morpork sein.

    Seit dem baue ich nichts sondern sortiere nur meine (Fluch und Segen: arg gewachsene) Sammlung.


    Puh, wer bis hierhin mitgelesen hat dem danke ich sehr, ich hoffe es hat euch gefallen! Wir sehen uns demnächst bestimmt auf diversen Ausstellungen und bald hab ich bestimmt wieder was neues großes, wobei ich dieses Jahr geplant habe, eher kleinere Sachen zu machen. Aber das sag ich jedes Jahr. Mal sehen. Bis denne!!


    LG

    Ygrek Gino

  • Danke für diesen tollen Überblick über ein geniales MOC zu einem traurigen Anlass. Hätte ich den Eurojackpott geknackt, ich würde es dir abkaufen. Schön, das ich es in Fürth live erlben konnte - was mich zu der Erkenntniss bringt - nie Ankh Morpokh nachzubauen, an deine Leistung, an dein MOC würde ich nie herannkommen. Mit einer Riesenträne warte ich auf das Neue, was aus dem Hause Gino kommen wird.rn

  • Sehr schade, richtig klasse MOC, sowas großes allein ist schon eine Leistung aber dabei gabs dann noch zig Details und die konnte ich sogar live in Skaerbaek alle erkunden :thumbup: ich muss aber zugeben, der Abbau dort war auch sehrspannend zu beobachten 8o