Zusätzlich zu dem, was die Vorredner bereits geschrieben haben, würde ich behaupten, dass generell Interaktion hilft, gesehen zu werden. Das soll natürlich nicht heißen, dass man blind allen möglichen Leuten folgen sollte und unter jeden Post drei Flammen kommentiert. "Leere" uninteressierte Follower nützen ja aber am Ende niemandem etwas. Aber generell sich in der Community umzuschauen, Sachen zu liken, die einem gefallen und bei ganz interessanten Sachen auch mal einen Kommentar da zu lassen, kann dazu führen, dass man insgesamt mehr wahr genommen wird. Bei mir persönlich ist es z.B. so, dass ich mir eigentlich grundsätzlich die Profile von neuen Kommentatoren oder Followern anschaue (bei vielleicht einem pro Woche/Monat ist das gerade noch zu managen
) und wenn diese interessant aussehen, dann evtl. auch folge. Folge dann halt auch nicht jedem, aber es macht mich zumindest auf den Account aufmerksam.
Ein weiterer praktischer Tipp wäre, auf englisch zu posten für mehr internationale Reichweite. Das kann sowohl manuell einen Unterschied machen, weil mehr Leute mit der Bildbeschreibung etwas anfangen können (sofern sie diese denn lesen
) aber auch algorithmisch, dass es von vorn herein mehr Leuten gezeigt wird. Denn Insta ist ja auch nicht ganz so blöd und zeigt mir wahrscheinlich seltener Posts in Suaheli. Die meisten deutschen können es ja dann trotzdem lesen und verstehen. Aber das ist auch eine persönliche Geschmacksfrage, ich mag die englische Sprache grundsätzlich ganz gerne und bin früh in das englische Internet sozialisiert worden.
Insgesamt lässt sich aber schwer einschätzen, wie Instagram überhaupt funktioniert und den Leuten was zeigt. Bei Flickr kann man das ja über Gruppen noch halbwegs einschätzen (auch wenn da sicher auch eine gehörige Portion Algorithmenmagie dabei ist). Aber Hashtags scheinen ja so direkt bei Insta auch nicht mehr zu funktionieren. Momentan sind ja viele Accounts auch bereits auf nur 5 Hashtags umgestellt (ich kann zwar nach wie vor 30 benutzen, aber das liegt vielleicht auch an der sehr steifmütterlich behandelten Desktop-Schnittstelle) und da fragt man sich dann schon, wie der Algorithmus da entscheiden soll, wem er was zeigt. Wahrscheinlich ist es am Ende irgendeine Sch...ß-KI, die versucht, deine Bilder zu analysieren und inhaltlich zu klassifizieren. Gott bewahre man überließe dies dem Urheber.
Aber insgesamt war es bei mir bei Instagram wie bei Flickr einfach ein stetiges Wachsen und mit jedem neuen Post kommt vielleicht hier und da mal ein neuer Follower dazu. Naturgemäß am Anfang halt etwas schneller, weil man komplett neu ist und dann tröpfelt es so dahin. Aber konkrete Strategien habe ich da nicht wirklich verfolgt sondern poste halt meistens dann etwas, wenn es fertig ist. Bzw. wenn ich Veröffentlichungen plane, dann halt eher aus dem eigenen Bedürfnis nach einem gut strukturierten Portfolio heraus und nicht etwa, weil ich glaube, dass es Donnerstag um 17:00 die meisten Likes gibt, wenn am Dienstag davor bereits einen Teaser dazu kam. Das kann manchmal auch unvorteilhaft sein (etwa wenn man das Gefühlt hat, dass die Leute der persönlich beste MOC des Jahres nicht interessiert, weil alle frei haben
), aber man muss sich halt mit zu ausgefeilten Postingstrategien auch nicht kaputt machen.
Man kann sicher bei Insta viel mehr rausholen, wenn man da mehr "am Ball bleibt". Diese Platformen sind ja letzendlich als Suchtmaschinen ausgelegt für maximales "engagement" (das englische, nicht das französiche/deutsche
). Aber das artet dann halt auch nur in Arbeit aus. Mit meinen unter 100 Posts in 3,5 Jahren ist da halt mit "daily engagement" nicht viel her und wahrscheinlich bin ich dafür auch zu "konservativ" was die Quantität der Posts angeht und behandle Instagram zu sehr wie Flickr in seiner Ernsthaftigkeit. Aber das ist mir halt auch lieber, als jeden Quatsch zu posten und sei es auch nur, damit ich persönlich mich an der Ordnung in meinem Profil erfreuen kann. Obwohl Insta-Beiträge ja ehrlicherweise nicht für eine Halbwerstzeit von mehr als einer Woche gedacht sind. Aber ob mehr Quantität dann auch mehr Likes bdeutet oder die Leute dir einfach müde werden, lässt sich auch schwer sagen. Geneva hat sich in ihrem sehr interessanten Artikel zu KI da auch ein paar Gedanken gemacht. Das ist zwar wieder eine andere große Baustelle, berührt aber am Ende auch wieder das Thema Contentifizierung und die daraus folgende Übersättigung. Eine ihrer Schlussfolgerungen war unter anderem, dass es in Zukunft, mit zunehmender Entmenschlichung, noch wichtiger werden könnte, eher ausgewähltes persönliches Feedback zu erhalten (und sich Communities dadurch auch verkleinern und individualisieren), was natürlich auch generell kein schlechter Rat ist. Aber rein praktisch muss man hier natürlich auch festhalten, dass um von Leuten gesehen zu werden, deren Meinung einem wichtig ist, man halt generell auch erstmal gesehen werden muss. 
Aber abseits aller tieferen Gedanken zur Zukunft menschlicher Kunst und Aufmerksamkeit
habe ich rein praktisch die Erfahrung gemacht, dass Instagram halt auch etwas überschätzt ist, was Reichweite angeht, gerade wenn man sich den Vergleich mit dem ach so toten Flickr anschaut. Ja, Flickr mag nicht mehr das sein, was es vielleicht vor meiner Zeit war und sicher hat sich einiges auf Insta verlagert. Aber am Ende merke ich auf Insta, dass ja doch irgendwie das meiste auch auf Flickr ist, weil eben viele, die es "ernst meinen" auch nach wie vor auf Flickr sind. Klar gibt es auch auf Insta viel neues, aber der Weisheit letzter Schluss ist es was Reichweite angeht auch nicht. Auch nach 3,5 Jahren auf Insta habe ich nach wie vor knapp mehr Follower auf Flickr (und ich habe da auch erst angefangen, als es angeblich bereits im Sterben begriffen war). Das mag aber natürlich auch daran liegen, dass ich eine "suboptimale Social Media Strategie" verfolge oder "die Party grundsätzlich aus ist". Der Vorteil bei Insta ist eben, dass da vor allem auch mehr nicht-LEGO Leute zu erreichen sind, bzw. da halt durch den Algorithmus eher ein Zugang und eine Durchmischung der Communities geschaffen wird. Ich habe auf Insta dadurch generell auch tolle Fotografen und andere Künstler gefunden (aber muss mir dafür auch jeden Tag vom Algorithmus zeigen lassen, wie sehr unsere Welt zur Hölle fährt
). Und gleichfalls erreichst du eben auch auf Insta eher Leute, die keine Hardcore-AFOLs sind. Aber am Ende bleibt immer die Frage, wie gut man jemanden wirklich erreicht, der dein 5 cm Handybild nach 5 Sekunden weiter wischt, Herzchen hin oder her.
Anyway, was war das Thema? Ach ja, mehr Reichweite. Honestly, I don't know either, man.
Der Optimist in mir würde sagen die Qualität der Inhalte, aber der Realist würde wohl sagen, dass da noch eine gehörige Portion Algorithmenmagie dazu kommt. Die kann und darf einem zwar egal sein, aber ehrlicherweise freut man sich am Ende trotzdem über jeden Like und Follower, die einem dabei helfen, Stolz auf den eigenen kleinen Beitrag zur großen weiten Welt zu sein. 