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The Tripods -die dreibeinigen Herrscher

  • Hallo Leute,


    mein Kitbash-Beitrag zum aktuellen Contest widmet sich einer heute weitgehend vergessenen, aber ziemlich einmaligen Abenteuer-TV-Serie der 80er Jahre: „The Tripods“, hierzulande einigen vielleicht noch bekannt unter dem Titel „Die dreibeinigen Herrscher“.




    Basierend auf dem dreiteiligen Jugendroman des SciFi-Autors John Christopher und unter Beigabe einiger eigener Ideen schuf die BBC hier eine absolut packende, fast schon klaustrophobisch spannende Serie, mit einer einfach ziemlich genialen Story:


    Die Herrschaft der Dreibeiner


    Im Jahr 2089 lebt die Menschheit wieder auf vorindustriellem Niveau, beherrscht von den „Dreibeinern“, dreibeinigen, meterhohen Metallwesen. Die großen Städte der Menschen sind zerstört und jeder Jugendliche, der das 17. Lebensjahr erreicht, wird im Rahmen einer feierlichen Zeremonie, der so genannten „Weihe“, von einem Dreibeiner die so genannte „Kappe“ (ein Metallgeflecht) in die Kopfhaut eingepflanzt. Die schützt zwar einerseits vor Krankheit, nimmt andererseits aber den „Geweihten“ auch alle Gedanken an Rebellion, Aggressivität und auch jede Kreativität. Und macht sie den dreibeinige Herrschern hörig. Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei manchen wirkt die „Weihe“ nicht und sie werden zu Schwachsinnigen, „Vaganten“ genannt, die ziellos von Ort zu Ort wandern und von dem leben, das ihnen die Geweihten als Almosen überlassen.



    Gedankenkontrolle


    Die Serienhandlung beginnt in einem englischen Dorf, in dem dem Jungen Will Parker Zweifel an der bevorstehenden Weihe kommen, nachdem er sieht, wie sein bester Freund Jack nach seiner Weihe zu einem distanzierten, gefühllosen Roboter wird (jetzt mal meine eigenen Worte). Dies beobachtet wiederum ein vermeintlicher Vagant namens Ozymandias, der sich Will in einem unbeobachteten Moment als Widerstandskämpfer gegen die Dreibeiner zu erkennen gibt. Er erklärt Will, dass die Dreibeiner vor etwa 70 Jahren unvermittelt aufgetaucht sind und erst die großen Städte vernichteten, um die Menschen danach mit der Kappe zu versklaven. Zu den Dreibeinern selbst gibt es mehrere Theorien: Sie sind künstliche Intelligenzen, die sich gegen ihre menschlichen Schöpfer aufgelehnt haben, es sind fremde Lebensformen aus einer anderen Welt oder einfach nur ein Fortbewegungsmittel für Menschen im Inneren. Da die Geweihten niemals über die Weihe und die Dreibeiner sprechen, wird Will neugierig und staunt Bauklötze, als ihm Ozymandias erst ein eine falsche Kappe (zur Tarnung), ein Fernglas und danach eine Taschenuhr präsentiert und ihm erklärt, das dies einst von Menschen erfunden und gebaut wurde und es einst fliegende Maschinen gab, die imstande waren, das Meer zu überqueren. Er berichtet von einem einzigen Ort auf der Welt, an dem die Menschen noch frei seien: Dem weißen Berg. Will entschließt sich, gemeinsam mit seinem Cousin Henry die gefährliche Reise anzutreten. Mitten in der Nacht wagen beide die Flucht...


    Staffel 1: Die Reise zum weißen Berg


    Falls jetzt jemand neugierig geworden ist, möchte ich nicht zuviel spoilern, sondern nur einen groben Überblick bieten: Von Ozymandias erhalten sie die Anweisung, in der nächsten Hafenstadt ein Schiff namens Orion und seinen Kapitän namens Curtis, zu finden und nach Frankreich überzusetzen. Diese Reise kommt nicht ohne einige Schwierigkeiten zustande und Will macht auf der Überfahrt zwei Entdeckungen: Die metallenen Dreibeiner sind auch im Stande, das Meer zu überqueren. Und: In den Ländern des Kontinents gibt es neben den Dreibeinern, die auf festen Routen durch die Länder stapfen, auch eine Art Polizei, genannt „schwarze Garde“. In Frankreich angekommen, werden Will und Henry von eben diesen schwarzen Garden verhaftet und sie sollen am nächste Morgen geweiht werden. Sie können aber mit Hilfe eines jungen Erfinders namens Jean-Paul (den sie „Beanpole“ wie Bohnenstange taufen) aus dem Kerker entkommen.

    Der junge wird in den Plan eingeweiht, da auch er die Dreibeiner hasst und fürchtet, durch die Weihe seiner Kreativität beraubt zu werden. Zu dritt stapfen sie durch Frankreich, immer in der Angst, entdeckt und geweiht zu werden. Sie erleben einige Zusammenstöße mit Vaganten im zerstörten Paris und verbringen eine Weile auf Schloss Ricordeau. Hier verliebt sich Will in die Grafentochter Eloise und es kommt nach einer Weile zur Verlobung. Die Hochzeit hätte zwar zur Konsequenz, dass man Will weihen würde, aber andererseits ist Eloise ein echter Hingucker und die Eltern haben Knete en masse. Zudem erkennt Will, dass der Graf, obwohl geweiht, sich noch immer für Wissenschaften begeister kann, womit Will sich das alles zunehmend schönredet, von wegen Weihe, pah, kann ja dann irgendwo doch alles gar nicht so schlimm sein.


    Es kommt zum Bruch mit Henry und Beanpole. Dann jedoch wird bei einem Ritterturnier Eloise vom Turniersieger (ein fieser eifersüchtiger Möpp namens Sarlat) zur „Schönheitskönigin des Turniers“ erwählt, was zur Folge hat, dass ihr die besondere Ehre zuteil wird, den Dreibeiner in ihrer Stadt aus Gold und Blei zu dienen. Im Klartext bedeutet das: Ein Dreibeiner ergreift sie mit seinem Greifarm und hebt sie ins Innere. Sie wird nie zurückkommen. Alle jubeln. Außer unserem Will Parker natürlich, denn: Hochzeit ist jetzt natürlich Essig. Naja, damit das jetzt hier nicht zu lang wird, es kommt zur Wiedervereinigung der drei Jungs und nach weiteren kleinen Stories und beinahe-Weihen landen die drei schließlich am Montblanc, treffen Ozymandias wieder und lernen Julius, den Anführer der in den Bergen lebenden freien Menschen, kennen.


    Die Stadt aus Gold und Blei -Staffel 2


    In der zweiten Staffel dreht die Serie SciFi-technisch ziemlich geil auf, würde viel zu lange dauern, das alles zu schreiben, daher nur die Highlights: Will und andere erhalten falsche Kappen und tarnen sich als Athleten. Die Gewinner alljährlicher Sportwettkämpfe werden nämlich von den Dreibeinern ebenfalls als Diener für die Stadt ausgewählt. Will schafft den Sieg im Boxen, während Beanpole ausscheidet. Dafür gewinnt auch ein Deutscher namens Fritz Eger seine Disziplin. Hitzkopf Will und der kühle, disziplinierte Fritz passen anfangs mal so gar nicht zusammen, werden aber in der Stadt der Dreibeiner (richtig derbe abgedreht und krass!) zu einem guten Team. Sie entdecken, was es mit den Dreibeinern wirklich auf sich hat (ich schreibe das hier nicht, angucken!). Außerdem enthüllen sie einen Plan, der unweigerlich das Ende allen menschlichen Lebens bedeuten würde. Will gerät zunehmend in Schwierigkeiten und muss aus der Stadt fliehen, Fritz hilft ihm beim Legen einer falschen Fährte, bleibt aber zunächst noch in der Stadt zurück. Draußen hat Beanpole auf Will gewartet und gehetzt von den schwarzen Garden gelingt irgendwann die Rückkehr beim Widerstand -nur um festzustellen, dass das Hauptquartier in Trümmern liegt und niemand mehr da ist. Mit de Worten „war denn alles umsonst?“ endet die Serie und sorgt für einen der krassesten WTF-Moment einer Serie in den 80ern.


    WTF?!


    Die BBC entschied sich völlig überraschend gegen die Verfilmung der dritten und letzten Staffel und so blieb der Cliffhanger in vielen Köpfen das beabsichtigte Ende der Serie. Wie es ausgeht erfährt man dann halt in Buch- oder Hörbuchform.


    Warum gut?


    Für eine Kinder- und Jugendserie ist die Story reichlich düster, die Produzenten haben das durch entsprechende Musik (toller Soundtrack von Ken Freeman) und das Einbinden der schwarzen Garden (gibt es im Buch nicht) noch verstärkt. Viele Kinder fanden die Serie beinahe schon verstörend. Es liegt permanent das Unheimliche in der Luft, zudem trägt das Rätsel, wer oder was denn diese Dreibeiner überhaupt sind extrem lange. Vor allem wird an diesem Punkt aber dann in der Mitte von Staffel 2 auch wirklich extrem stark eingelöst, so dass es keinesfalls zu einem Spannungsabfall kommt, sondern alles nochmal eine Ecke auswegloser gerät.


    Zudem hat die Serie mit Will Parker einen richtigen Antihelden. Er will zwar immer das richtige tun, gerät aber durch sein aufbrausendes Temperament immer wieder in ernste Schwierigkeiten. An manchen Stellen wird das teilweise schon etwas unglaubwürdig, zu was der sich immer wieder hinreißen lässt und man hadert durchaus mit ihm. Das ist hier (wie schon im Buch) aber beabsichtigt und funktioniert grds. auch.


    Die Technik ist natürlich aus heutiger Sicht eher belustigend, aber wenn man sich drauf einlässt, funktioniert es noch. Eine Schauwert bieten auch die toll gewählten Kostüme. Da laufen gleich im Piloten die Leute durch ein mittelalterlich anmutendes Mühlendorf, tragen aber Anzüge und Bekleidung des 20. Jahrhunderts. Dieser kleine Kniff der Serienmacher hat bestimmt nicht nur ordentlich auf die Kostenbremse gedrückt, sondern passt perfekt zum Setting einer menschlichen Zivbilisation, die schon einmal deutlich weiter gewesen sein muss, als sie es heute selbst noch weiß.


    Die Figuren:




    Wir sehen auf dem ersten Bild von links nach rechts: Will Parker (beim Boxturnier), Henry Parker (beim Wurf eines 'Metalleis' [=Handgranate]), Beanpole bei einem Experiment mit einem Ballon und schließlich Fritz Eger in der Kleidung der Sklaven in der Stadt der Dreibeiner. Was er da macht, darf ich aus Spoilergründen nicht verraten




    Zweites Bild: Widerstandskämpfer Ozymandias, eine schwarze Garde, Eloise Ricordeau (mit Turban, da ihr Haar nach der Weihe noch nachwächst) und schließlich Julius, den Anführer der freien Menschen (demokratisch gewählt:-)

    Ich hoffe, die Figuren gefallen Euch und ich konnte Euch für diese tolle Geschichte erwärmen. Wer die ganze Story in Originalform erleben will, dem empfehle ich die fantastische Hörbuchreihe gelesen von Thorsten Michaelis, einem der besten Synchron- und Hörbuchsprecher, die wir aktuell überhaupt haben.


    In Sachen Beleuchtung bin ich zur Zeit noch etwas eingeschränkt, daher hoffe ich, dass die Fotos so klargehen:-)


    Liebe Grüße,


    Fletcher

  • Hi Stephan,


    Coole Sache, dass du wieder am Start bist.

    Die Serie habe ich damals auch geschaut. Meine Erinnerung war zwar ein bisschen dunkel, aber dank deines hervorragenden Textes ist wieder ein bisschen Licht zurück gekommen. 👍


    Aber an das bedrohlich unheimliche Gefühl, wenn die Dreibeiner auf der Mattscheibe auftauchten, kann ich mich noch sehr gut erinnern.

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